Profi Tipps zur Filmentwicklung

Pushen

Pushen bedeutet, daß man einen unterbelichteten Film länger entwickelt um seinen Kontrast zu erhöhen. Macht man das nicht ist der unterbelichtete Film nach einer normalen Entwicklung zu flau. Die  Filmempfindlichkeit wird durch das längerentwicklen nicht angehoben. Man gleicht lediglich den Negativkontrast aus.

--> und wie äussert sich das dann in meinem Bild ?

--> Antwort: Die Schatten, also diejenigen Stellen wo das Negativ wenig Licht bekommen hat, bleiben im Negativ ungezeichnet und werden im Bild schwarz. Die Mitteltöne und Lichter rücken “weiter nach unten” und werden besser gezeichnet. Die Grauwertübertragung des Films wird also modifiziert. Ausserdem kann man mit einer Blende weniger Fotografieren.

--> Schön und gut aber wie mach ich das jetzt praktisch ?

Antwort: Der Film wird also zuerst unterbelichtet. Dazu wird eine höhere Filmempfindlichkeit am ISO-Rad eingestellt. Die meisten Filme vertragen das pushen um eine Blende (+1) nocht gut (z.B. von 200 auf 400 ASA). Zwei Blenden (+2 ) sind dann schon deutlich sichtbar und führen zu harten Negativen (von 200 auf 800 ASA).

Danach wird der Film länger entwickelt und zwar nach folgender Faustregel:

- bei +1 (=1 Blende) die Entwicklungszeit um den Faktor 1,333x verlängern.

- bei + 2 (=2 Blenden) die Entwicklungszeit um den Faktor 1,3332x verlängern.

(Diese Zeiten sind Richtwerte für den ersten Versuch und sollten angepasst werden).

Um ein Aufsteilen des Negativkontrastes zu verhindern sollte man beim pushen von Filmen nur Entwickler benutzen die entsprechend ausgleichend arbeiten. Einige Entwickler lassen sich in verschiedenen Verdünnungen anwenden (z.B. ADOX ATM49 oder ADOX APH09). Bei diesen Entwicklern wählt man zum Pushen ein höhere Verdünnung. Dadurch werden zwar die Entwicklungszeiten sehr lang, da ja auch der Faktor für die Verdünnung zum Pushfaktor hinzukommt aber Ihre Bilder werden besser durchgezeichnet. Beachten muss man allerdings, daß diese Gamma-reduzierende Massnahme (Verringerung der Härte) eventuell die Empfindlichkeitsausnutzung des Entwicklers herabsetzt. Auch hier gilt also probieren mit verschiedenen Kombinationen.

Wichtig: Faktoren werden nicht addiert sondern multipliziert ! D.h. wenn ich 1,333x pushfaktor und 1,5x Verdünnungsfaktor anwenden soll so ist das insgesamt 1,333x1,5 also 1,9995

Tip: Ein beliebter Anfängerfehler ist es bei hartem Licht im Theater oder bei Konzerten mit lichtschwachen amateur-Teleobjektiven (den sogenannten “Titten-am Strand-Tüten”) zu fotografieren und dann in Ermangelung der Lichtstärke des Objektives den armen Film 2 Blenden unterzubelichten. “.... aber da stand doch in den technischen Infos des Films, dass man das machen kann....” hören wir dann noch durch das Schluchzen hindurch wenn die Ergebnisse solcher Emulsionsvergewaltigung auf dem Tresen liegen. Die Negative sind natürlich viel zu hart geworden. Hartes Licht plus Pushentwicklung führt zu Bildern die aussehen als hätte man sie über den Kopierer gezogen. Wer hingegen im schottischen Hochmoor bei Nebel Modeaufnahmen von Tarnbekelidung gemacht hat- der freut sich über einen gepushten Film, damit seine Bilder wieder Kontrast bekommen.

Entsorgung der Chemikalien

So Film ist fertig ! Ist auch gut geworden aber wohin jetzt mit dem alten Entwickler und dem Fixierbad ?

Antwort: In den meisten Städten dürfen Amateurfotografen geringe Mengen an Fotochemikalien einfach in den Abfluss giessen. Das Zeugs ist nämlich viel ungiftiger als viele Denken. In der Regel sollte man sich aber eine Genehmigung beim Umweltamt einholen bzw. auf jeden Fall nachfragen ob es überhaupt erlaubt ist.

Besser ist es die alte Chemie zur Entsorgung zu bringen.

In jedem Fall die erste Wahl ist die Fachgerechte Entsorgung: Hier in Berlin nimmt die BSR (Berliner Stadtreinigung) von jedem Bürger bis zu 10 Litern Fotochemikalien pro Jahr kostenlos zur Entsorgung entgegen. Größere Mengen müssen bezahlt werden.

Sonst: Die Calbe Fotochemie bietet einen Entsorgungs- und Abholservice an. Das lohnt sich aber nur für größere Mengen wegen der hohen Anfahrtspauschalen (es kommt ein Tankwagen mit Rüssel dran der absaugen kann) und daher sollte man die Chemie über´s Jahr sammeln und dann einmal im Jahr abfahren lassen. Das Sammeln von verbrauchter Foto- Chemie ist aber in dieser wunderbaren Republik leider per Verordnung verboten. Der Gesetzgeber schneidet sich hier ins eigene Fleisch weil er sinnvolles Handeln verbietet und wir wissen daher im Moment echt nicht was wir raten sollen.

Zu den einzelnen Chemikalien:

Entwickler: Reichlich verdünnt und dann Ausguß wenn erlaubt und gewollt.

Stoppbad: Ausguß. (ins Lokus, das entkalkt gleichzeitig:-)

Fixierbad: Grundsätzlich Fällung des Silbers vorher, dann filtrieren und Ausguß. Fällung z.B. durch Eisenwolle (und eine Woche auf dem Balkon stehenlassen) oder durch Zugabe von Natriumdithionit (Apotheke, kg so um die ?8,-) mit ca. 20g/l. Danach drei Tage draußen abreagieren lassen, es entsteht Schwefeldioxid. Dann filtrieren und Ausguß. Die Silberrückstände können gefahrlos gesammelt und fest entsorgt werden (z.B. Mülltonne, besser: Schadstoffannahme). Wenn erlaubt und gewollt

Tonerbäder: Schadstoffannahme. (Bei Selentoner obendrein noch einschlägige Schutzmaßnahmen während der Anwendung und schnellstmögliche Entsorgung zum Sondermüll. Schwefeltoner (Thioharnstoff oder Natriumsulfid) kann hingegen auch in den Ausguß. Die Bleichbäder (Hexacyanoferrate) gehören zum Sondermüll.

Chromverstärker: Sondermüll!

Uransalze (Uranverstärker, Reste von Uranotypien) sind ja kaum noch erhältlich und gehören ebenfalls auf den Sondermüll. Und zwar hier auf den für schwach radioaktive Stoffe. Gibt's leider meist nur über die Kampfmittelräumung oder die Universität um die Ecke. Eine normale  kommunale Schadstoffannahme darf diese Substanzen mangels Betreibergenehmigung nicht annehmen.

Wichtig: Wir weisen ausdrücklich daraufhin, daß die Gesetzeslage von Kommune zu Kommune unterschiedlich ist und daß es möglicherweise verboten ist Fotochemikalien wegzukippen ! Auskünfte erteilt das Umweltamt. Ausserdem gilt das nur für S/W Chemie. Farbchemie sollte in jedem Fall zum Recycling gebracht werden .

Fotoimpex wünscht sich ausdrücklich, daß möglichst alle Kunden Ihre Fotochemie fachgerecht entsorgen lassen.

Wir würden daher gerne einen Rücknahmeservice für berliner Kunden anbieten aber leider hat das Umweltamt quergeschossen und die Auflagen für das Sammeln von alter Chemie so “jenseitsvongutundböse-total schwachsinnig-überkandidelt” hoch angesetzt dass wir passen mussten, da jeder Liter zu entsorgender Chemie nach Erfüllung der Auflagen ca. 320 EURO kosten würde und wir glauben kaum dass dann jemand abgibt !

Keiner dieser Hinweise ist in irgendeiner Form ein rechtlich verbindliche Auskunft. Es handelt sich um Tips die wir von Kunden bekommen und gesammelt haben.

Sie können auch völlig falsch sein und sind absolut unverbindlich.


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